Bilder der Macht Bildstrecke
Was am Schluss übrig blieb
Drei Fotos vom Ende eines Festivalwochenendes: der Blick von oben, ein ausgebrannter Holzturm, ein Traktor voller Heimfahrer. Aufgenommen am 29. und 30. August 2004 bei der Ruine Clanx. Ein Jahr später wurde dort zum letzten Mal gespielt.
Von oben ist das Festival kaum zu finden. Die Kamera steht am Hang darüber, und was sie zuerst zeigt, ist Landschaft: gestufte Wiesen, verstreute Höfe, Waldzungen, dahinter der Dunst über den Hügeln. Ein Weg zieht sich als heller Strich durchs Gras. Erst am rechten Bildrand, klein wie Spielzeug, steht das gelbe Bogendach der Bühne, daneben weisse Pavillons und ein Fleck bunter Zelte. Auf dem bewaldeten Grat darüber der Mauerrest der Burg Clanx, ein Spitzbogen aus Stein.
Der Verein hatte das Non-Profit-Festival ein Jahr zuvor gegründet, 2003, und trägt es bis heute ehrenamtlich. Bei der Ruine spielte es dreimal: 2003, 2004 und 2005. Dann setzte es ein Jahr aus, und ab 2007 stand es an einem anderen Ort. Wer dieses Bild ansieht, sieht also ein Gelände, auf dem noch genau ein Festival stattfinden wird.
Das Verhältnis der Grössen ist im Bild schon beantwortet: Die Wiese gehört nicht dem Festival. Sie wird ihm für ein Wochenende überlassen – und irgendwann gar nicht mehr.
Das zweite Bild kennt keinen Massstab. Es blickt aus der Mitte einer Finnenkerze senkrecht nach oben: verkohlte Stämme, längs aufgerissen, die wie Säulen einen Kreis Himmel einfassen. Die Kanten sind grau verascht, die Risse gehen tief ins Holz. Wer nicht weiss, dass hier ein Feuer stand, sieht Architektur – und liegt nicht ganz falsch, denn gebaut wurde das Ding ja.
Die Uhrzeit macht daraus etwas anderes als Nachtromantik. Aufgenommen ist das Bild am Sonntagmittag um 12 Uhr 38, das Feuer war längst aus. Vierundvierzig Minuten später entstand der Blick von oben. Zwei Bilder, ein Mittag, dazwischen der Weg den Hang hinauf.
Das dritte Bild ist vom Tag danach, Montag, 17 Uhr 07. Der Himmel ist zugezogen. Ein Traktor zieht einen Holzanhänger den Hang hinauf; sieben Leute sitzen auf der Ladefläche, mit Hüten, Kappen und Rucksäcken. Rechts stehen zwei verkohlte Stämme aufrecht wie Pfeiler – dieselbe Bauweise, die das zweite Bild von innen zeigt, hier von aussen und einzeln. Dahinter ein Festzelt, an dem eine Lichterkette ins Leere hängt. Im Gras die Spuren der Räder, unten links ein voller Abfallsack.
Es ist kein Abschiedsbild mit Wehmut. Es ist ein Arbeitsbild: Rückbau, Heimfahrt, Schlamm. Dass es auch ein Abschied vom Ort war, wusste an diesem Montag noch niemand – eine Ausgabe stand hier noch bevor, dann war ein Sommer lang Ruhe auf dem Hügel.